PIKES neues Album «FIVE»

PIKES zeigen mit «FIVE» eine gereifte Band, die sich längst von ihren musikalischen Vorbildern emanzipiert und ihren ganz eigenen Stil gefunden hat. Sie verbinden  eingängige Melodien mit eigenwilligem Sound.

Das Album lebt vom starken Zusammenspiel der Gitarren, einer pregnanten Rhythmussektion, markanten Keyboards und mehrstimmigem Gesang.

«FIVE» ist damit weniger Rückblick als Momentaufnahme einer Band, die sich kontinuierlich weiterentwickelt – mit Haltung, Stil und dem Mut, ihrem eigenen Weg treu zu bleiben.

«We are the Band PIKES, isn't it?​»

Die Basler Band PIKES wurde im Sommer 2004 von Stefan Reinhardt (früher Trashcats), Felix Beck und Matthias Schaub (früher «Chain of Command») gegründet. 2008 erscheint das erste Album «In The Shade», welches von einigen Radiostationen gespielt wurde. Nach einigen Auftritten zieht sich die Band wieder in den Übungsraum zurück, um weitere neue Songs zu arrangieren.

Vier Jahre später erscheint das nächste Album «Think About». Die Band gibt nur wenige Konzerte., dafür entstehen vier eigene Videos, welche auf youtube zu finden sind. PIKES konzentriert sich nach dem zweiten Album vor allem auf die Ausarbeitung neuer Songs und deren Gestaltung bei den Studioaufnahmen. Mit Stefan Reinhardt hat die Band einen eigenen Tontechniker zur Hand, der bereits «Failures», «Wilde» und «Lovebugs» Produktionen gemischt hat. Das dritte Album «It’s About Time» erscheint 2018 und enthält zehn komplex arrangierte Songs. Mit viel Freude am Detail werden kurz darauf neue Songs geschrieben und im Übungsraum arrangiert. Der innovative Schlagzeuger Severin Steinhauser (früher «Dog Roses») ist neu am Entstehungsprozess der Songs mitbeteiligt. Gut eingespielt geht die Band anfangs 2020 ins Studio und nimmt ihr viertes Album «Animal Mine» auf.

Im Frühjahr 2021 ergänzten die PIKES dann Manuel Neubauer (früher «Sensibelle» und «Nadia Leonti») als Tastenmann, welcher die Songs mit elektronischen Klängen bereichert.

Auf dem Foto ist die ganze Band Pikes abgebildet
v.l.n.r. Severin (drums) Steinhauser, Felix Beck (bass), Matthias Schaub (git, vox) und Manuel Neubauer (keys)

PIKES Live

Samstag 19. September 2026
Plattentaufe
Rockfact Münchenstein mit – «CASUAL»
20:00 Uhr

Infos:
Webseite von Rockfacts

Samstag 07. Dezember 2024
Abschluss Konzert mit «Doc The One», «Forbloc» und «Pikes» – Binningerstrasse 110, 4123 Allschwil
19:30 Uhr

Samstag 19. Oktober 2024
Rockfact Münchenstein – «Wilde» und «Pikes»
20:00 Uhr

Freitag 15. März 2024
Parterre One – «The Pikes» und «The Amber Unit»
20:30 Uhr

Freitag 30. Dezember 2023
Parterre One – DRAG MEETS ROCK
20:00 Uhr

Samstag 10. Juni 2023
Ziegelei-Fest Oberwil BL
19:45 Uhr

Samstag 12. November 2022
Rockfact Münchenstein BL
20:00 Uhr

Samstag 03. September 2022
L’Unique off the Wall BS
20:00 Uhr

Samstag 20. August 2022
Bergalingerstrasse BS
20:00 Uhr

Reviews

Reviews zu «FIVE»

PIKES arbeiten über-me

Die PIKES fassen zusammen. Mit einem neuen Album. Glücklicherweise ist dies nicht als Schlussnote gedacht, sondern als Momentaufnahme mit fünf vielversprechenden neuen Tracks und fünf ihrer All-Time-Favoriten. Junge Bands sehen sich zunächst als Nachfolger eines bestimmten Acts oder Stils aus einer bestimmten Ära. Dies geschieht während ihrer prägenden Jahre, in denen sie von Musik beeinflusst werden, ein Instrument spielen lernen und angetrieben werden, selbst Musik zu machen. Im Laufe der Zeit versuchen Bands typischerweise, das Gleichgewicht zugunsten der Etablierung ihrer eigenen Identität zu verschieben und sich von der Nachahmung zu lösen. Obwohl die PIKES den Jahren, die ihren Sound inspiriert haben, immer noch Tribut zollen, haben sie sich längst in Bezug auf ihr Songwriting befreit. Unbestechlich geführt von Hauptsongwriter Matthias Schaub bewegen sie sich selbstbewusst auf ihrem ganz eigenen Spielfeld. Um ihre Anfangsphase im Stammbaum der Popmusik anzuerkennen, integrieren sie eine Vielzahl musikalischer Elemente als Hommage an ihre Vorgänger. Gleichzeitig kontrastieren sie dies mit ihrer ganz eigenen, markanteren Vision von Popmusik. Die daraus resultierende Spannung wird gekonnt umgesetzt und ist sehr angenehm, wird jedoch Anhänger von profanem Rock’n’Roll nicht ansprechen. Vielmehr könnte man es als Popmusik für Erwachsene bezeichnen.

Produktionsregeln

Bei der Auswahl von «Songs und Sounds» für ein Album geht es oft darum, den gewünschten Wiedererkennungseffekt gegen allgemeine Vielfalt abzuwägen. Je nach Umständen kann dies ein Dilemma sein. Hinzu kommt die Frage, was der Song selbst erfordert. Dann gibt es natürlich die einzelnen Mitwirkenden, die ihre eigenen Vorstellungen davon haben, wie ihre Parts klingen sollen. Dies kann manchmal zu einem relativ kleinen gemeinsamen Nenner führen, auf den sich alle einigen können.
Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Produzenten, Klarheit in die Situation zu bringen und manchmal persönliche Vorlieben zugunsten des großen Ganzen zurückzustellen. Bei selbstproduzierten Alben wie diesem entsteht oft der Eindruck einer Reduktion auf einen hart ausgehandelten Kompromiss, der für die Mehrheit akzeptabel, aber etwas entmutigend ist. Dies entspricht selten einem Optimum, das aus neutraler Perspektive objektiv bewertet werden kann, geschweige denn einem, das für den Mainstream geeignet ist. Aber darum geht es hier ohnehin nicht. Es scheint, dass der Insider-Status der PIKES nicht verhandelbar ist.

Sinn für Stil

Der Sound der PIKES lebt von «Matthias Schaubs» und «Stefan Reinhardts» elegant cremigen, verstärkten Gitarren. Und sie harmonieren fantastisch miteinander. Schaub begleitet seinen eigenen Gesang, während Reinhardt das Ganze hier und da mit subtilen, geschmackvollen Licks verziert. Keiner von beiden ist ein Virtuose (zum Glück!), aber sie spielen immer direkt in die Tiefe des Songs. Der Leadgesang (meist Schaub, selten Reinhardt, Harmonien auch mit Beck) erinnert an «XTC», die im Universum der PIKES hell erstrahlen. In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern war die Popszene voller «Anti-Sänger», die Stimmungen widerspiegelten, anstatt mit Oktavensprüngen oder falscher Gymnastik zu protzen. Schaub singt auf coole, stilvolle, «britische» Weise. Alles passt perfekt zusammen, dennoch wünscht man sich, dass er aus seiner Komfortzone heraustritt und Risiken eingeht, um die Grenzen seines Ausdruckspotenzials zu erkunden. Die Rhythmussektion, bestehend aus «Severin Steinhauser» am Schlagzeug und «Felix Beck» am Bass, zollt einem entspannteren, raffinierten Beat Tribut. «Manuel Neubauers» unaufdringliche Keyboards wecken Assoziationen mit «Elvis Costello», «Blondie» und den «Stranglers». Historisch gesehen könnte man annehmen, dass Costello und seine Zeitgenossen von den Klängen der Sechziger inspiriert wurden, von Bands wie den «Animals», den «Doors» und «Pink Floyd», die ebenfalls die Vox Continental, Farfisa oder ähnliche streng analoge Instrumente als Alternative zu den sperrigen und teuren Hammond bevorzugten. Vielleicht wünschen sich einige Leute ein wenig mehr Opulenz, um bestimmten Passagen mehr Drama einzuhauchen und die Musik im Sound der PIKES stärker hervorzuheben. Aber ihr unerschütterlicher Sinn für Stil ist dafür wahrscheinlich zu eigenwillig.

Haltung

Dennoch haben sich Schaub und die PIKES trotz ihrer spürbaren Tendenz zu einem eher spartanischen Produktionsprofil zu einer kompositorischen Marke entwickelt, die Aufmerksamkeit und Respekt verdient. Und eine, die sich immer noch weiterentwickelt. «FIVE» zeigt eine gereifte Formation, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein Quartett sein wird – ohne «Stefan Reinhardt». Auf den ersten Blick würde ich sagen, das ist ein Verlust. Es wird interessant sein zu sehen, ob sich die Band als Quartett neu erfindet oder wieder erweitert. In den Tagen von «Chain of Command» verfolgten Schaub und seine Kameraden Beck und Ulrich ein kraftvolles Wave-Format. Harmonisch haben sie sich immer vor übermäßiger Melodiösität oder dem Schielen auf poppigere Gefilde gescheut. Stattdessen dominierten lebhafte «XTC» ähnliche Strukturen oder «Wave-Reggae«-Riffs à la «Police». Haltung kam eindeutig vor Harmonie.

Markenzeichen

In zweierlei Hinsicht war es ein langer Weg von «Chain of Command» bis zum heutigen reifen Charakter von The PIKES, die die Zuhörer oft auf eine lange Reise durch die Zeit in einem einzigen Song mitnehmen. Einige Tracks beginnen unbeschwert und jugendlich in den Strophen, um im Refrain harmonischer und reifer zu werden («Sophistication»). Wer hätte in den 1980er Jahren gedacht, dass M. Schaub in Zusammenarbeit mit S. Reinhardt eines Tages die reinsten Pop-Hooklines wie diese komponieren würde? Einige Refrains sind einfach eingängig und erhebend, während andere («The Digger») auf völlig andere Genres zurückgreifen, mit Harmoniegesang, der sich durch Dur-7-angetriebene Akkordprogressionen windet, die an den 1960er Jahre California Sunshine Pop erinnern. Zurück in die Zukunft. Die kontinuierliche Entwicklung dieser Spannung im Songwriting und das kollektive Durchhaltevermögen dabei sind vielleicht das zentrale Markenzeichen der PIKES. So wie Wasser immer seinen Weg ins grüne Tal findet, suchen viele Bands nach einer frühen «Sturm und Drang»-Phase zunehmend einen ausgewogeneren, harmonischeren Stil. Richtung Vollendung. Das Gleiche gilt für Schaub und die PIKES. Es ist jedenfalls ein guter Weg, weiter zu wachsen und dabei jung und hungrig zu bleiben.

(George Hennig – 12/2025)

Reviews zu «ANIMAL MINE»

Wenn ich denke, was heutzutage für CH-Acts in den Medien auftauchen und wie die PIKES öffentlich totgeschwiegen werden, dann ist das ein Skandal, wegen dem niemand mehr aufschreit. Längst haben wir uns an die veränderten Rahmenbedingungen der Musikkultur gewöhnt, Mainstream-Dominanz im Radio, Spotify und die Folgen. Zeitgeist vor Substanz in den Medien. Was nichts daran ändert, dass die PIKES seit Jahren höchst interessante Alben vorlegen, und in all dieser Zeit keinen Millimeter von ihrem mitunter bewundernswert sturen Weg abweichen.

Natürlich kennt man sich, und weiss um die Einflüsse, die aber im Laufe der Jahre einer eigenständigen Identität Platz gemacht haben. Geblieben sind die Markenzeichen; viel Gitarren in Liebhaber-Ästhetik, Akkordfolgen die zuerst gängig wirken, um dann unorthodox auszubrechen. Das muss man mögen – wer das Vorhersehbare liebt, wird hier enttäuscht. Umgekehrt kommen Zuhörende auf ihre Kosten, die ungewohnte und überraschende Harmoniefolgen den stereotypen Radioformaten vorziehen. In seltenen Fällen wird der Bogen, der sich immer wieder dem Traditionellen entzieht leicht überspannt. Manchmal schreit ein Song geradezu nach einer minimal logischeren Konklusion, die ihm aber zugunsten des bedingungslos auf Eigenheit getrimmten Stilbewusstseins verweigert wird. Andererseits gelingen «main songwriter» Matthias Schaub immer wieder melodisch-harmonische Gebilde von rarer Schönheit.

Manchmal auch scheint Schaub die ZuhörerInnen testen zu wollen, wieviel Individualistische Progressionen es verträgt. Nicht ohne sie bald darauf mit einem erlösend melodischen «turnaround» zu versöhnen.

Bass & Drums sorgen für Fett und Druck at the bottom, und die Gitarrenarbeit ist linientreu und klug. Der Gesang ist im Vergleich zu früheren Alben gereift, vor allem die harmony vocals (live hoffentlich reproduzierbar?), die teilweise nach Hollies- und Crowded House-Sternen greifen, zeugen von Ambition und Entwicklung. 

Erwähnenswert auch die beiden Nicht-Schaub-Komposition «If We Fall In Love» und «Different Kind Of Mind» (Text Matthias Schaub) von Steffi Reinhardt. Das äusserst stimmige Duett (Schaub singt mit «Sinja») «If We Fall In Love» sowie der bei aller Gradlinigkeit raffinierte Poprock von «Different Kind Of Mind» fügen sich nahtlos ein in das ansonsten «schaubdominierte» PIKES-Universum.

Dass sich die beiden Gitarristen in den Dienst der Band stellen, ist schön, aber some more licks and tricks and bendings hätten wohl kaum geschadet. Bei den PIKES wird konsequent auf jegliche olympisch anmutende Virtuosität verzichtet. Attitude und der über Jahre entwickelte ureigene Code stehen im Zentrum. Oder wie es Jellyfish’s Roger Joseph Manning Jr. mal sagte: «Song is king».

Bisher mein Lieblingsalbum von den PIKES; einer Band die immer noch brennt für das was sie tut, und die es so wohl nur in England oder in Basel geben kann.

Würde ich für’s MOJO schreiben, gäbe ich dem Album 4 von 5 Sternchen: ****

(George Hennig – September 2021)

PIKES Alben

Five (2026)

  1. She’s So Sophisticated
  2. Stop The Wheel
  3. Three Towers
  4. Ballerina Girl
  5. Is It A Game?
  6. The Digger
  7. New Song
  8. One Two Three
  9. Animal Mine
  10. Pineapple Juice
Cover des neuen Albums "FIVE"

Animal mine (2020)

  1. Animal Mine
  2. The Digger
  3. Fighting The Sun
  4. If We Fall In Love
  5. Automated Translation
  6. Different Kind Of Mine
  7. Imagination
  8. Stones & Bones
  9. Lucky One
  10. You Fly

ANIMAL MINE auf potify anhören

Cover des neuen Albums "Animal Mine"

It's about time (2018)

  1. paradigm
  2. funky shit
  3. rollercoasterride
  4. free in mind
  5. gaining friends
  6. our house
  7. smile at the unknown
  8. more, more, more
  9. black angel
  10. new song

IT’S ABOUT TIME auf Spotify anhören

Cover des neuen Albums "It's About Time"

Think about (2012)

  1. rain
  2. think about
  3. drifting away
  4. one, two, three
  5. paperhouse
  6. the stain
  7. nowbody knows
  8. now or never
  9. roadmovie
  10. seawash
  11. this world over

THINK ABOUT auf Spotify anhören

Cover des neuen Albums "Think About"

In the shade (2008)

  1. boomerang
  2. dislike
  3. tomorrow
  4. leaving elaine
  5. paperhouse
  6. wasp
  7. pineapple juice
  8. camoflage
  9. flatland
  10. honeymoon
  11. to be with you
  12. country girl
  13. in the shade
  14. start

IN THE SHADE auf Spotify anhören

Cover des neuen Albums "In The Shade"

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